5 Dinge, die ich von meiner 90-Jährigen Grossmutter gelernt habe

Ich finde wir sollten älteren Menschen mehr zuhören und sie mehr achten. Denn sie haben so viel erlebt und gelernt und haben einiges zu erzählen. Ich war die letzten Wochen einige Tage bei meiner Grossmutter und habe sie im Haushalt unterstützt, da sie nach einem Sturz etwas Hilfe benötigte. Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie viel ich doch von ihr lernen kann und wie dankbar ich für die Zeit, die ich noch mit ihr verbringen darf, bin.


Humor erleichtert das Leben

Als ich bei ihr ankam, empfing sie mich mit einem nigelnagel neuen Rollator, den sie nach dem Sturz bekommen hat. Sie sagte zu mir lachend: „Hast du gesehen mein schnelles neues Wägeli?“ Das sei ganz praktisch und mit diesem könne sie im untersten Stock des Hauses herumdüsen. Geht es dann mal eine Etage höher, hält sie sich mit der einen Hand am Geländer und mit der anderen Hand an der Wand fest und meint: „Siehst du, wie ich den Berg erklimme?"

Als sie noch in der REHA war, begrüsste sie eines Sonntagmorgens ein junger Pfleger und meinte: „So Frau xx jetzt gehen wir gemeinsam duschen." Und meine Grossmutter schaute ihn mit ganz grossen Augen an und sagte: „Was mit ihnen? Einem MANN?" Der junge Pfleger schmunzelte und meinte ja, das müsste schon gehen. In der Dusche hat meine Grossmutter dann zu dem jungen Pfleger gesagt: „Mein verstorbener Mann würde jetzt sicherlich grosse Augen machen, wenn er uns beiden in der Dusche sehen würde." Der Pfleger meinte lachend, ja dieser schaue nun sicherlich ganz eifersüchtig vom Himmel auf sie beide herunter.

Mit etwas Humor, geht es doch schon viel besser. Er nimmt dem Leben die Schwerfälligkeit. Ganz nach dem Motto, wie es auch Roberto Blanco wusste: „Ein bisschen Spass muss sein, dann kommt das Glück von ganz allein.“


Sei immer bereit und offen, dazu zu lernen

Durch den Unfall war sie verunsichert und muss nun wieder lernen sicher und ohne Gehilfe zu gehen. Der Schock des Sturzes sitzt tief. Nichtsdestotrotz will sie wieder ohne Gehhilfe laufen können, sich aufgeben ist keine Option für sie, da spielt auch das Alter keine Rolle.

Ich habe sie dabei der Hand genommen und ihr gezeigt, dass sie laufen kann. Wir haben zusammen geübt. Da meinte sie lachend: „Als du klein warst, habe ich auch so laufen geübt mir dir, wie du jetzt mit mir.“ Ich musste lachen und meinte: „Ja, so schliesst sich der Kreis wieder.“

Danach zeigte ich ihr noch ein paar Dehn- und Aufwärmübungen vom Yoga. Sie war voller Enthusiasmus ihren Körper zu bewegen und fragte immer: „Hast du noch eine Übung? Was ist die nächste Übung?"

Im Bett am Abend hat sie dann noch selbständig Übungen für ihren Körper gemacht und fragte mich: „Machen wir morgen wieder Yoga zusammen?“ Sie bewegt ihren Körper täglich, damit sie nicht „einrostet“, wie sie immer sagt. Und an ihrer Kühlschranktür hängt der Spruch, der sie immer wieder daran erinnert weiter zu machen, dazu zu lernen und nicht einfach stehen zu bleiben: „It doesn't matter how fast you go, as long as you don't stop".


Achte und höre auf deinen Körper

Wenn es ihr nicht gut geht oder sie irgendwo Schmerzen verspürt, dann hört sie ganz genau auf ihren Körper und versucht zu verstehen, was er braucht. „Der Doktor ist nicht wirklich mein bester Freund", meinte sie eines Morgens. Warum sollte er besser wissen, was sie für ihren Körper benötigt, als sie selbst, die ihren Körper ja schon fast ein Jahrhundert kennt. Sie hat einige Mitteli, die ihr helfen. Die meisten basieren auf natürlichen Inhaltsstoffen. Die Natur liefert die energiereichste Medizin. Sie mag zum Beispiel die Echinaforce Tropfen von A.Vogel oder eine Creme, die ihre Nachbarin selbst herstellt. Jeden tag isst sie Nüsse. Und sie sammelt Lindenblütenblätter auf ihrem Spaziergang und trocknet sie und macht Tee daraus und aus den Quitten im Garten macht sie Konfitüre.

Sie plane das Menü für das Mittag- oder Abendessen nicht gerne im Voraus, erzählt sie mir. Denn sie höre lieber auf ihren Körper, auf was er gerade Lust hat, das gebe es dann. Mein Grossvater musste dann zwar auch immer das Essen, aber er habe sich nie beklagt, meinte meine Grossmutter. Und immerhin ist er 97 Jahre alt geworden.


Sei kreativ und finde die Lösung zum Problem

Da sie sich mit beiden Händen festhalten muss, um auf der Treppe in den oberen Stock zu gelangen, hat sie sich eine Stofftasche mit langen Henkeln um den Hals gehängt worin sie die Kleider platzierte, die auch von unteren in den oberen Stock transportiert werden mussten. Oder auch ihren Gehstock, den sie im oberen Stock als Gehhilfe benötigt, hängt sie sich beim Treppenaufstieg um den Hals. „Weisst du, wenn nicht mehr alles so glatt geht, muss man kreativ werden um sich zu helfen, dann gehts dann schon", meinte sie zu mir schmunzelnd. Zu einem Problem gibt es immer auch eine Lösung, mann muss nur den Willen und die Kreativität haben, sie zu finden.


Alter ist nur eine Zahl

„In dem Altersheim hat es nur so uralte und langweilige Menschen", meinte meine Groma. Da passe sie nicht hin. Wir mussten lachen. Sie lebt ihr Leben nach dem Motto, man ist nur so alt wie man sich fühlt. Noch nie hat sie das Alter als Vorwand genommen, etwas nicht machen zu können. Bis vor kurzem ging sie noch wöchentlich in eine Turnstunde, war in einer Nähgruppe und wollte nochmals ans Meer verreisen. Ich denke, wir können von ihr lernen, uns nicht auf das Alter zu versteifen und das Alter nicht als Vorwand zu nehmen, etwas nicht machen zu können oder etwas machen zu müssen.


Danke liebe Groma, dass du so bist, wie du bist. Dass ich die Zeit mit dir geniessen darf und du mir so viel für das Leben lehrst.




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